Am 16.12.2025 um 19.55 h hat sich Šejh Muhamed Smajić im Alter von 71 Jahren aus dieser Welt verabschiedet und ist friedlich eingeschlafen.

 

Ihr Lieben,

zunächst ganz herzlichen Dank für Eure so große Anteilnahme, die vielen lieben Nachrichten und Beileidsbekundungen bzgl. des Todes von Šejh Muhamed vom Orden El Cadiri in Visoko.

Besonders berührend waren natürlich auch die Danksagungen derer, die in den letzten Jahren über diesen Menschen Hilfe erhielten.  

Im Folgenden möchte ich Euch eine kleine Zusammenfassung der Ereignisse der letzten Tage wiedergeben. Ich habe versucht, es kurz zu halten – dennoch ist es länger geworden und zeigt eigentlich nur die Spitze des Eisbergs.

Wir befanden uns ja bereits in Deutschland zur Winterpause. Interessanterweise hatten wir dieses Jahr kein Verlangen, wie sonst im Dezember noch ein paar Tage wegzufliegen und verlagerten unsere Urlaubspläne auf Januar. Kaum zu Hause erhielten wir die Nachricht, dass der Šejh freiwillig ins Krankenhaus ging, aufgrund Probleme mit der Stimme und Atmung. Wie ernst es tatsächlich war, wusste zu dem Zeitpunkt niemand, denn es gab keine medizinischen Warnzeichen. Aufgrund einer Nabelbruchoperation im Frühjahr, wurden bei ihm ja ausreichend Untersuchungen gemacht, die keine Auffälligkeiten aufzeigten. Blutwerte auch die Lungenfunktion waren besser als die Norm, was erstaunlich war, da der Mann 4 bis 5 Päckchen (!) Zigaretten pro Tag rauchte. Als Muhamed jedoch aufgrund verdächtiger Marker in der Klinik blieb, folgten wir dem sofortigen Impuls, ihm zuliebe wieder nach Visoko zurückzukehren. Wie extrem wichtig, ereignisreich und fordernd unser ungeplanter Aufenthalt sein sollte, nicht nur in Bezug auf den Šejh, auch was unsere Arbeit vor Ort anging, konnten wir da noch nicht ahnen. Am Ende sind wir dennoch dankbar, wie wir durch diese unglaubliche Woche geführt wurden.

Wir besuchten Muhamed kurz nach unserer Ankunft in der Klinik. Bevor wir sein Zimmer betraten, wurden wir mit der Diagnose „Krebs Stadium 4“ konfrontiert. Es schien mit der Operation Anfang des Jahres zusammenzuhängen. Man wollte noch auf weitere Tests warten, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können. Was in den wenigen Minuten, die wir ihn das letzte Mal erleben durften, geschah, möchte ich hier nicht im Detail beschreiben. Es wäre zu persönlich und nur zu verstehen, falls man das über die Jahre gemeinsam Erlebte kannte. Sein Blick, das, was er mit schwacher Stimme noch sagte und dass er mir die Hand küsste, in der Art wie es nur die Derwische tun, um ihn zu verabschieden, war eindeutig. Er wusste, dass es in dieser Welt kein „ Vidimo se“ (wir sehen uns) mehr geben würde, auch wenn ich das noch zu ihm sagte. Mir war es erst klar, als ich aus seiner Energie heraustrat und das Zimmer verlassen hatte. Trotzdem war da natürlich, wie bei seinen Derwischen und der Familie noch die Hoffnung, dass er zu Hause genesen würde. Der Mann hatte Vielen in ähnlichen Situationen geholfen, warum sollte es also bei ihm nicht ebenso geschehen dürfen.

Der Šejh verließ einen Tag nach unserem Besuch das Krankenhaus und kehrte in die Tekija, sein Zuhause, zurück. Die Ärzte hatten nichts dagegen, ihrer Ansicht gab es nichts mehr, was sie tun konnten. Kurz nachdem er in seinem Haus angekommen war, trank er noch einen Kaffee mit seinen Schülern, er lachte noch mit ihnen, doch dann schloss er plötzlich die Augen für immer. Für die Anwesenden war es trotz der schlechten Prognose ein Schock, dass es so unmittelbar geschah.

Die Beerdigung fand zwei Tage später statt. Eine eigene längere Geschichte, wenn man vorher, während und kurz danach darstellen wollte.  Daher hier nur ein paar Worte darüber: 

Nach Tagen und Wochen dichten kalten Nebels schien an diesem Tag für wenige Stunden die Sonne. Blauer Himmel und angenehm frühlingshaft, so kam uns das Wetter für die zwei Stunden Zeremonie sehr entgegen. Die Tage danach zog der Nebel wieder auf, der wieder so dicht war, dass auch die meisten Flüge storniert wurden. Übrigens war unser Flug hin und zurück jeweils einer von zwei, die an diesen Tagen nicht gecancelt wurden.

Es war interessant für mich, welche Menschen sich eingefunden hatten, um die letzte Ehre zu erweisen. Einige davon ebenfalls Šejh, haben Muhamed Smajić ihr Leben lang missachtet und erst wenige Tage zuvor als deren Šejh anerkannt. Eine von vielen Mysterien, die der Mann vorbereitet hatte. Das letzte Ritual (Sikre) am Grab puschte schließlich nochmal die Energie und die Emotionen.

Einen Tag nach der Beerdigung waren Silvana und ich bei der Witwe des Šejhs und einem Teil der Familie eingeladen. Anfangs saßen wir nur still da, jeder war in seiner Art der Trauer miteinander vereint. Aber dann passierte etwas sehr Wunderschönes. Die Energie des Raumes wurde immer leichter und wir fingen an, unsere Gedanken zu teilen. So entstand daraus eine Revuepassage dieses ungewöhnlichen Menschen und auch der gemeinsamen Erlebnisse. So weinten und lachten wir zusammen immer wieder mit Momenten, die uns nachdenklich werden ließen. Es gab für jeden von uns Aspekte und Situationen, welche man so noch nicht kannte und sicher noch beschäftigen werdenđ

Ich habe den spirituellen Führer der „Pyramidenderwische“ und Menschen Muhamed über 10 Jahre ungewöhnlich privat erleben dürfen. Bei unserer ersten Begegnung 2015 erzählte er bereits von der engen Familienzugehörigkeit zwischen uns, weswegen er mich auch in der Pyramid Lodge aufsuchte.

Er nannte mich vom ersten Moment an Jonas – seinen Bruder aus der früheren Seelenwelt. Ich war ehrlich gesagt etwas überfordert, skeptisch, distanziert und konnte diese Aussagen nicht wirklich spüren. Das änderte sich jedoch nach wenigen Wochen über den sehr persönlichen Umgang mit ihm und diversen unglaublichen Situationen, die ich erleben durfte. Aber natürlich waren da viele Dinge aus dem Leben Muhameds, der mit 21 Jahren zum Oberhaupt des El Cadiri Ordens wurde, die ich noch nicht wusste. Insofern war es für uns auch nochmal ein großes Geschenk diese Einblicke erhalten zu dürfen.

Ich wünschte ich hätte darüber mit ihm persönlich sprechen können. So soll es auf geistiger Ebene geschehen.

Bei unserem Besuch haben wir auch die Grüße und Beileidsbekundungen überbracht und auch ein paar davon vorgelesen. An dieser Stelle schickt Euch die Familie des Šejhs ein herzliches Danke und den bestmöglichen Segen, den sie für Euch erbitten können.

Wie geht es nun weiter?

Diese Frage wurde nicht gestellt und es ist auch noch zu früh dafür. Aber anhand der Handlungen des Derwisch Oberhauptes bereits Wochen vorher, ist eindeutig zu erkennen, dass er alles vorbereitet hat. Ob Muhamed wusste, dass er exakt am selben Tag sterben und auch beerdigt werden würde, wie sein Vorgänger? Es ist davon auszugehen. Und wahrscheinlich werden sich die nächste Zeit noch mehr Aspekte zeigen.

Seine mitunter letzten Worte waren: „Es geht darum die Tekija, den Platz und dessen Aufgabe zu bewahren.“

Solange es für uns möglich ist, werden wir diesen Ort entsprechend weiterhin wertschätzen und unterstützen, auch wenn eine große Lücke entstanden ist, die deutlich spürbar sein wird. Wie und mit welchem Bewusstsein dieser entstandene Platz aufgefüllt wird, wird sich zeigen. Mancher weiß evtl. noch, dass gemäß den Worten des Šejh, der Tempel für die Menschen gemacht wurde, nicht für eine bestimmte Religion, auch wenn man sich aus Respekt an die Etikette der Wächter des Hauses halten sollte.

Dieser Ort, der sich zwischen den strahlenden Pyramiden befindet, soll weiterhin dafür genutzt werden, dass unabhängig von Religion, Gesinnung, Hautfarbe etc. miteinander für eine friedlichere, liebevollere und bewusstere Welt gebetet wird.

Vielleicht möchtet ihr Euch immer wieder mal für Gebet oder Meditation mit diesem Platz verbinden. Gerade in dieser Zeit der Rauhnächte, wäre dies eine gute Gelegenheit. Manche/r hat evtl. sogar noch die kleine, vom Šejh gesegnete Perlenkette (Tespih) und integriert diese für diesen Zweck. Falls er euch dabei kurz besucht, evtl. in Verbindung mit seinem typischen Duft Rose und Sandelholz, sagt ihm schöne Grüße von uns ;O)

In diesem Sinne wünschen wir Euch und Euren Lieben auch in diesen Tagen eine bewusste Weihnachts- und Rauhnachtszeit und alles Allerbeste für das kommende Jahr.

Stefan, Silvana & das Pyramid Lodge Team